„Hervorragende Einblicke“ – Teil drei
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Was macht SUP so besonders?
Was Stand-Up-Paddling meiner Meinung nach so entwicklungsfördernd macht, ist vor allem, dass wir lernen, uns in einer ungewohnten Situation zurechtzufinden. Eine Situation, die unser Gehirn als extrem riskant einstuft, es aber tatsächlich nicht ist. Wenn wir uns dennoch trauen, aufs Board zu steigen, schafft allein diese Entscheidung bessere Voraussetzungen für den Umgang mit anderen Aktivitäten und Herausforderungen. Mut ist tatsächlich einer der wichtigsten Aspekte für Trainingseffekte und die persönliche Entwicklung.
Um zu verstehen, was Stand-Up-Paddling (SUP) so besonders macht, müssen wir zunächst den Kontext und die Einflussfaktoren betrachten. Da ist zunächst die Umgebung selbst, in diesem Fall das Meer, dann die instabile Unterlage, also das Board auf dem Wasser. Beide Faktoren beeinflussen uns Menschen auf eine Weise, mit der wir nur schwer umgehen können. Unsere Reaktionen darauf erfolgen größtenteils unbewusst.
Mit meiner langjährigen Erfahrung im klassischen Wellenreiten, Freitauchen und in der „Evologie“ (reflexgesteuerte Verhaltensweisen) weiß ich genau, wie und warum mich das Element Wasser so stark beeinflusst. Evolutionär haben wir gelernt, dass Wasser eine potenziell gefährliche Umgebung ist, in der wir entweder ertrinken oder von verschiedenen Raubtieren heimgesucht werden. Gleichzeitig erleben wir aber auch all die lebensverändernden Vorteile des Wassers.
Dieser sich entwickelnde Konflikt zwischen Risiko und Chance trägt zur Schärfung all unserer Sinne bei. Nicht nur, wenn wir uns auf oder im Wasser befinden, sondern auch in seiner Nähe. Dies lässt sich mit der „Blue Mind Theory“ in Verbindung bringen, die besagt, dass das Wasser unsere Aufmerksamkeit lenkt und uns so von all den Problemen erholt, die uns normalerweise Sorgen bereiten. Es wird unter anderem zur Behandlung von PTBS eingesetzt.
Neben den somatischen Reflexen, die durch die Umgebung ausgelöst werden, verfügen wir über weitere Reflexe, die uns aufrecht halten und vor Stürzen bewahren sollen. Denn wir riskieren Verletzungen und wären eine leichtere Beute für Raubtiere, wenn wir zu Boden oder – schlimmer noch, ins Wasser – fallen würden. Sind all diese Reflexe aktiviert, bleibt kein Raum für andere Gedanken. Beim Stand-Up-Paddling konzentriert sich das Gehirn primär darauf, nicht im Wasser zu landen. Unsere Erfahrung spielt dabei eine untergeordnete Rolle.
Durch diese Effekte werden beim Stehen auf einem SUP-Board praktisch alle unsere Systeme und Muskeln aktiviert. Zunächst einmal werden unsere stabilisierenden, aber auch unsere mobilisierenden Muskeln zur Unterstützung beansprucht. Ein weiterer menschlicher Reflex ist das Strecken, um unseren Schwerpunkt anzuheben, wenn wir uns bedroht fühlen. Dadurch wirken wir nicht nur größer und bedrohlicher, sondern können uns mit einem hohen Schwerpunkt auch leichter bewegen und fliehen. Das bedeutet, dass die Muskeln, die das Skelett strecken, aktiviert werden.
Die Folge davon ist, dass sowohl unsere Bandscheiben im Rücken und Nacken als auch unsere Gelenke entlastet werden. Nach dem Stand-Up-Paddling fühlen sich viele leichter, was vermutlich auf diesen speziellen Reflex zurückzuführen ist. Das Problem – oder vielmehr einer der Vorteile – ist, dass wir uns auf dem Wasser der Situation nicht entziehen können. Wir sind gezwungen, uns damit auseinanderzusetzen.
Mehr über diese unerschöpfliche Inspirationsquelle erfahren Sie im nächsten Teil „Superior Insights – Teil vier“.
Setz dich für deine Gesundheit und Entwicklung ein – Wir sehen uns auf dem Wasser!
/Magnus R Lindstedt